Impulse

Letzter Monat Oktober 2020 Nächster Monat
Mo Di Mi Do Fr Sa So
week 40 1 2 3 4
week 41 5 6 7 8 9 10 11
week 42 12 13 14 15 16 17 18
week 43 19 20 21 22 23 24 25
week 44 26 27 28 29 30 31

Prof. Sternberg lobt die Kreuzkirche

Coronabedingt fand der Vortrag "Es ist jetzt und nicht irgendwann die Zeit zum Handeln II" von Prof. Dr. Dr. Thomas Sternberg vom Theologischen Bildungswerk  nicht im Pfarrheim sondern in der Pfarrkirche Hl. Kreuz statt, was der Referent, Prof. Sternberg, mit der Vorbemerkung kommentierte, dies sei eine der "wichtigsten Kirchen im Bistum Münster" und er gratuliere "dieser Stadt zu dieser wunderbaren Kirche", ein Kompliment, das von einem Theologen und Kunsthistoriker durchaus Gewicht hat. 

"Corona hat die Welt verändert" war der Einstieg ins Thema "Es ist jetzt und nicht irgendwann die Zeit zum Handeln", dies allerdings nicht nur mit Bezug auf den Lockdown am Aschermittwoch 2020 sondern auch mit Bezug auf die Tagung der Deutschen Bischofskonferenz in Lingen im März 2019, bei der den versammelten Bischöfen deutlich geworden sei, dass ein Ausweg aus der Missbrauchskrise und dem herrschenden Reformstau gefunden werden werden müsse. Unter Hinzuziehung von Thomas Sternberg als Präsident des Zentralkomitees und auf Vorschlag von Bischof Felix Genn sei dann der Beschluss zum Beginn des "Synodalen Weges" gefasst worden. Zunächst habe es drei thematische Schwerpunkte für diesen Weg gegeben: "Macht und Gewaltenteilung in der Kirche", "Priesterliche Existenz heute" und "Leben in gelingenden Beziehungen - Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft". Nach der Beschlussfassung im Zentralkomitee im Mai 2019 sei als viertes Themenforum "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche" beschlossen worden. Die Themenforen sind paritätisch von der Bischofskonferenz und vom Zentralkomitee besetzt worden und werden jeweils geleitet von einem Mitglied der Bischofskonferenz und einem Mitglied des Zentralkomitees. Das Präsidium des Synodalen Weges bilden die Bischöfe Bätzing und Bode und für das Zentralkomitee Frau Kortmann und Herr Sternberg.

Liturgischer Beginn des Synodalen Weges war am 1. Adventssonntag, an dem in jeder Bischofskirche im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes eine "Kerze des Synodalen Weges" entzündet wurde. Es folgte die erste Synodalversammlung Ende Januar 2020, eröffnet mit einem Gottesdienst im Frankfurter Dom, der den Referenten zu der Bemerkung veranlaßte "Was für ein schönes Bild von Kirche - alle zogen gemeinsam ein, kein Unterschied zwischen Klerikern und Laien". Und zu der folgenden zweitägigen Synodalversammlung konstatierte Prof. Sternberg: "es gab keine Klagen und Lager! Ich sehe das Zerfleischen nicht und es gibt keine fundamentale Kritik am Synodalen Weg. Es gibt eine kleine Gruppe, der die Richtung nicht paßt. Für uns auf dem synodalen Weg zählen Argumente, nicht der Rang. Es gab in Frankfurt einen wirklich guten Geist." Diesen haben auch zahlreiche Beobachter aus den europäischen Nachbarländern bestätigt, die an der Versammlung als Beobachter teilgenommen haben. Und die CELAM - die lateinamerikanische Bischofskonferenz - hat inzwischen einen Prozess eingeleitet, der sich stark am Synodalen Weg orientiert.

Am 08. Februar, sagte der Referent, habe ihn ein "Paukenschlag" getroffen, als ihm Kardinal Marx telefonisch mitgeteilt habe, dass er den Vorsitz in der Bischofskonferenz niederlegen werde, was dann am 11. Februar öffentlich wurde, exakt einen Tag vor dem Erscheinen der Enzyklika von Papst Franziskus mit den Ergebnissen der Amazonas-Synode. Den am 03. März von der Bischofskonferenz als Nachfolger gewählten Limburger Bischof Bätzing bezeichnete Prof. Sternberg als seinen Wunschkandidaten.

Bedingt durch den Corona-Lockdown konnten sich nur 2 Themenforen konstituieren, die vorläufige Arbeitspapiere für fünf Regionenkonferenzen am 04.September in Berlin, Dortmund, Frankfurt, Ludwigshafen und München vorgelegt haben. Vor diesem Termin gab es allerdings am 20. Juli völlig überraschend eine Instruktion der römischen Kleruskongregation unter Kardinal Stella "Über die Pfarrgemeinden...", die inhaltlich ein stark klerikal dominiertes Bild von Pfarrgemeinde präskribierte und ziemlich deutlich von zahlreichen Bischöfen abgelehnt wurde mit der Begründung, sie gehe im Tenor an der jeweiligen Wirklichkeit und Entwicklung in den Bistümern vorbei. Die Kongregation hat inzwischen den Vorsitzenden der Bischofskonferenz zu einem Gespräch eingeladen; dieser hat die Einladung mit dem Hinweis angenommen, dass er sie zusammen mit dem Präsidium des Synodalen Weges annehmen werde. Der Referent erläuterte noch mit einem Hinweis auf die gerade in Dülmen erschienene Broschüre zum EinsA, er habe dieser Broschüre entnommen: "Das Gesicht der Kirche vor Ort ist weiblich bei 17 Frauen und 5 Männern, die dort tätig sein werden."

Die Regionenkonferenzen fanden in einer insgesamt sehr guten Atmosphäre statt. Bei der Diskussion des Papiers zu Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche sei deutlich geworden, dass zahlreiche Vorschläge und Forderungen in Deutschland umgesetzt werden können, andere unter vatikanischem Vorbehalt stehen oder gar nur von einem neuen Konzil entschieden werden können (Priesterweihe der Frau). Das Diskussionspapier "Leben in gelingenden Beziehungen" sei zweifarbig vorgelegt worden wobei die jeweils in rot geschriebenen Passagen im Grunde klassische Katechismusaussagen wiederholt hätten. Die Regionenkonferenzen haben keine Abstimmungen durchgeführt, diese bleiben der nächsten Synodalversammlung Anfang Februar 2021 in Frankfurt vorbehalten. Bis zu dem Zeitpunkt werden die Themenforen ihre Arbeitspapiere nochmals überarbeiten.

Zum Schluß thematisierte Prof. Sternberg nochmals den Kontext von Corona und Kirche und sah dort durchaus eine gute Präsenz der Kirche vor Ort, allerdings eine eher defizitäre Präsenz im öffentlichen Bereich. Er warnte mit dem Religionsphilosophen T. Halík davor, die Krise nur als kurzfristigen Blackout zu sehen, nach dem man wieder zum Status quo ante zurückkehren könne. " Die Welt wird nicht mehr dieselbe sein, die Kirche muß der Welt ein anderes Christentum präsentieren. Sie muß eine Wende vom statischen Christsein zum dynamischen Christwerden leisten." Papst Franziskus hat das mit dem Begriff "Zeitenwende" in seinem Schreiben "An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland" vom 29. Juni 2019 schon sehr genau erfaßt. Oder mit Halík formuliert: "Geduld mit anderen ist Liebe - Geduld mit sich selbst ist Hoffnung - Geduld mit Gott ist Glaube."